Warum der Dialog die Resilienz von Unternehmerfamilien stärkt: In dem neuen von Susanne Dahncke, Daniela Jäkel-Wurzer und Marcel Megerle herausgegebenen Buch „Familienstrategie erleben und gestalten“ bekommt eine Kompetenz endlich den Stellenwert, der ihr in familienstrategischen Prozessen schon längst gebührt: Die „Dialogkompetenz“.

Es ist noch nicht lange her, da wurde die Familie mit ihren emotionalen Verflechtungen als unberechenbare Größe in Familienunternehmen dargestellt. Heute erfährt die Familie im familienunternehmerischen Kontext eine hohe Wertschätzung. Verantwortungsbewusstsein, nachhaltiges Wirtschaften, Verbindlichkeit, Zusammenhalt oder Zuverlässigkeit haben ihre Wurzeln im familiären Selbstverständnis. Im besten Fall finden sich diese Werte im familienunternehmerischen Wirken wieder. Ob das auch tatsächlich gelingt, hängt davon ab, ob und wie sich eine Unternehmerfamilie organisiert.

Zuhauf ist in den Medien über zerstrittene Eigentümerfamilien zu lesen. Die Wucht solcher Konflikte hat schon so manches Familienunternehmen in die Handlungsunfähigkeit katapultiert. Nicht immer verwunderlich. Denn die Komplexität, die sich aus der Verbindung von Familie und Unternehmen ergibt, sucht seinesgleichen. Zu gegensätzlich sind die Charakteristika und Interessen dieser zwei Sozialsysteme: So agiert eine Familie emotional und spricht sehr informell miteinander. In einem Unternehmen wird dagegen sachlich gehandelt und formell kommuniziert. Eine Unternehmerfamilie befindet sich genau in der Gemengelage dieser beiden Systeme.

Immer mehr Unternehmerfamilien gelingt es, Lösungen für den Umgang mit diesen Gegensätzen zu finden. Und das, obwohl dieses eine untypische Aufgabe für eine Familie ist. „Zur Unternehmerfamilie zu werden und zugleich Familie bleiben“ – so die passende Formulierung von Arist von Schlippe zu dieser besonderen Herausforderung für Unternehmerfamilien in seinem Geleitwort zu dem Buch. „Die Familie muss etwas Paradoxes tun: um langfristig Familie bleiben zu können, muss sie ein Stück weit als Unternehmerfamilie auch zu einer „Organisation“ werden“, so der Psychologe weiter.

Familienunternehmerische Organisation durch eine Familienverfassung

Um mit diesem Spagat zurecht zu kommen, erfreut sich die Familienverfassung bei Unternehmerfamilien immer größerer Wertschätzung. Dieses interne Regelwerk zur Klärung familienstrategischer Fragestellungen dient als Grundlage für die Organisation einer Unternehmerfamilie. Ihre Wirkungskraft zieht die Familienverfassung durch ihre moralische Bindungswirkung, die sie insbesondere durch den gemeinsamen Erstellungsprozess der Familienmitglieder bekommt.

Ziel einer Familienverfassung

Ziel einer Familienverfassung ist es, die Identifikation der beteiligten Familienmitglieder mit dem Unternehmen zu erhöhen. Ferner geht es darum, durch das Etablieren bestimmter Strukturen die Selbstwirksamkeit als Unternehmerfamilie zu steigern. So dient ein Konfliktmanagement beispielsweise dazu, Meinungsverschiedenheiten zwischen den Familienmitgliedern möglichst ohne emotionale Eskalationen klären zu können.

Dialogkompetenz als Schlüsselkompetenz

In dem von Susanne Dahncke, Daniela Jäkel-Wurzer und Marcel Megerle herausgegebenen Buch wird der Fokus auf einen weiteren wesentlichen Aspekt gelegt, der bei den bisherigen Betrachtungen zu Familienverfassungen vielleicht zu unbeachtet blieb – die sogenannte Dialogkompetenz. Gemeint ist damit nach dem Verständnis der drei Herausgeber, die Fähigkeit, zwischen den Generationen zu kommunizieren, die Blickwinkel zu tauschen, Verständnis für andere Positionen zu entwickeln und so vermeintlich schwierige Themen „besprechbar“ werden zu lassen – eine entscheidende Stärkung der eigenen Resilienz und damit der Lösungskompetenz einer Unternehmerfamilie.

Die Bedeutung dieser Dialogkompetenz kann meines Erachtens gar nicht hoch genug bewertet werden. Denn im Kern sind die meisten familienunternehmerischen Herausforderrungen eine Kommunikationsaufgabe. Um so stolzer und dankbarer bin ich, an diesem Buch als Beitragsautorin mit einem persönlichen Erfahrungsbericht mitgewirkt haben zu dürfen. Den drei Herausgebern ist es gelungen, eine wertvolle Auswahl aus persönlichen Erfahrungen, Wissen und Ideen zusammen zu tragen. Die Vielfalt der Ansätze und Blickwinkel durch die Autoren und Autorinnen macht das Buch zu einer Expertisé- und Impuls-Sammlung, die bis dato einmalig ist.

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