Neue Serie: „Familienfrieden trotz Familienunternehmen“

Familien, zu denen ein Unternehmen gehört, stehen oft vor besonderen Herausforderungen. Denn zwischen familiären Belangen und unternehmerischen Angelegenheiten kann eine Gemengelagen entstehen, die sowohl den Familienfrieden als auch die Unternehmenszukunft gefährden können. Ich weiß, wovon ich spreche. Denn auch zu meiner Familie gehört ein Unternehmen.

Teil 1 meiner neuen Serie: „Familienfrieden trotz Familienunternehmen“.

Wie es ist, im Schatten eines großväterlichen Unternehmensgründers aufzuwachsen, lesen Sie in dem Interview mit meiner Kollegin Susanne Dahncke:

Susanne Dahnke: Carola, Du bist Jahrgang 1968. Bevor Du Nachfolgeberaterin wurdest, hast Du selbst viele Jahre im eigenen Familienunternehmen als geschäftsführende Gesellschafterin in der 3. Generation gearbeitet. Gegründet wurde das Unternehmen von Deinem Großvater. Und damit sind wir auch schon beim Thema: Was mich zunächst interessiert: Wie war das für Dich als Kind? Hat das Unternehmen da eine Rolle für Dich gespielt?

Carola Jungwirth: Das Familienunternehmen hatte eine gewisse Allgegenwärtigkeit, zum Beispiel auf Familienfesten. Da hat mein Großvater stets eine kleine Ansprache gehalten. In der wurde auch immer unsere Familienfirma lobend erwähnt. Und zwar dafür, dass wir dem Unternehmen zu verdanken haben, dass es uns allen so gut ging.

Susanne Dahncke: Das hört sich an, als ob Euer Familienunternehmen quasi ein Mitglied der Familie war.

Carola Jungwirth:  Ja, das Bild passt gut. Und mein Großvater hat diesem Familienmitglied sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet. Vielleicht hat er sein Unternehmen genutzt, um eine Verbindung zu uns als seiner eigentlichen Familie zu haben.  Er war jedenfalls durch und durch Unternehmer. Innehalten gab es für ihn nicht. Das Vermitteln und Vorleben von Prinzipien lagen ihm am Herzen.

Susanne Dahncke: Kannst Du Dich noch an Beispiele erinnern?

Carola Jungwirth:  Als Boris Becker z.B.1985 das erste Mal Wimbledon gewann, lud mein Großvater seine Enkel ein. Nicht zum geselligen Kaffeetrinken, sondern um zu erarbeiten, was wir von einem 17-jährigen Tennisspieler in punkto „Disziplin“ und „Erfolgswillen“ lernen könnten.

Susanne Dahnke: Das hört sich in der Tat nach einer dominierenden Persönlichkeit an.

Carola Jungwirth: Das kann man wohl sagen. Bei uns im Unternehmen hängt ein großes, in Öl gemaltes Porträt meines Großvaters im Konferenzraum. Wir alle schauen noch heute mit einer gewissen Ehrfurcht darauf.

Susanne Dahncke:  Da scheint die Prägung Deines Großvaters noch bis heute zu wirken

Carola Jungwirth: Ja, ich denke, das tut es. Bezeichnenderweise werden wir heute in der Familie noch immer „Enkel-Generation“ genannt. Und das, obwohl wir alle mittlerweile selbst Kinder haben und meine Schwester sogar schon Oma ist. Es gibt also bereits weitere Generationen in meiner Familie. Dennoch bleiben wir die Enkel. Die Zeitrechnung erfolgt also selbst heute noch von meinem Großvater aus. Er scheint so etwas wie der Ursprung unserer Familie zu sein.

Susanne Dahncke: Wie hast Du das Erscheinungsbild Deines Großvaters als Kind erlebt?

Carola Jungwirth: Mein Großvater war der Mittelpunkt der Familie. Jeder richtete sich nach ihm aus bzw. versuchte, seinen Platz im Dunstkreis einer solchen Lichtgestalt zu finden.

Als Kind fand ich es einfach toll, so eine große Familie zu haben.

Susanne Dahncke: Hast Du denn Dein Aufwachsen in dem Bewusstsein erlebt, Teil einer Unternehmerfamilie zu sein?

Carola Jungwirth: Ich würde sagen, dass mir unbewusst klar war, Teil von etwas zu sein, dass meine Freunde so nicht hatten.  Ich war Teil eines großen familiären Zusammenhalts und eines großen familiären Selbstverständnisses. Teil einer familienunternehmerischen Baumes zu sein, war mir nicht wirklich bewusst.

Susanne Dahncke: Wie wurde dann die Nachfolge bei Euch im Unternehmen denn geregelt?

Carola Jungwirth: Zunächst hat meine Tante das Unternehmen von ihrem Vater in der 2. Generation übernommen. Das passte für alle Seiten. Mein Großvater hatte all seine Kinder im eigenen Unternehmen ausbilden lassen. Diese Erwartungshaltung wurde zum Glück nicht an uns Enkelkinder weitergegeben. Vielleicht auch, weil die 2.Generation diese für sie einengende Erfahrung gemacht hatten.

Susanne Dahncke:  Warum empfand die 2. Generation das als einengend?

Carola Jungwirth:  Soviel ich weiß, hätten drei der fünf Kinder meines Großvaters lieber studiert als eine kaufmännische Ausbildung in seinem Unternehmen zu machen. Das wollte mein Großvater nicht zulassen, und hat ihnen für diesen Fall die finanzielle Unterstützung verwehrt.

Susanne Dahncke:  Das hört sich in der Tat nach einer gewissen Nachfolge-Erwartungshaltung an.

Carola Jungwirth: Ja, die hatte er wohl. Zum Glück gab es mit meiner Tante jemanden, die die Nachfolge gerne angetreten ist. So war die Zukunft des Unternehmens gesichert und meine Generation konnte ihre eigenen beruflichen Wege gehen.

Susanne Dahncke: Vielen Dank für das interessante Gespräch.

 

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