Für den Erfolg einer Unternehmensnachfolge im Familienunternehmen ist es essentiell, das für alle Beteiligten passende Nachfolgemodell zu finden. „Alle Beteiligten“ –  damit sind in diesem Zusammenhang die betroffenen Familienmitglieder als auch das Unternehmen selbst gemeint.

Eine Alternative erfreut sich bei der Modell-Auswahl besonderer Beliebtheit: DieDoppelspitze. Dieses Führungsmodell sieht die gleichrangige Besetzung von zwei Familienmitgliedern auf der höchsten Entscheidungsebene des Unternehmens vor. In Familienunternehmen stellt sich die Doppelspitze typischerweise als geschwisterliche Doppelspitze dar. Doch sind Konstellationen der Doppelspitze natürlich in all anderen Varianten zwischen den Familienmitgliedern möglich. Hier wird im weiteren von der geschwisterlichen Doppelspitze ausgegangen.

Auf den ersten Blick könnte die Doppelspitze als Ideal-Szenario erscheinen. Unbestritten bietet sie viele Vorteile, die für sie sprechen: Das Vier-Augenprinzip, die Kompetenzanhäufung, die Verantwortungsteilung oder die Vertretungsmöglichkeiten seien hier nur beispielhaft genannt.

Doch was wie die perfekte Lösung aussehen könnte, kann sich langfristig als Bumerang erweisen. Es lohnt sich daher, einen genaueren Blick auf dieses Führungsmodell zu werfen.

“Einmal Doppelspitze – immer Doppelspitze”

Die Entscheidung für eine Doppelspitze kann weitreichende Konsequenzen für die nächsten Führungs-Generationen haben, die von Anfang mitbedacht werden sollten. Wenn die Doppelspitze auch für kommende Nachfolgen als bindendes Führungsmodell etabliert wird, dann droht sie zu einem einengenden Korsett werden, frei nach dem Motto: „Einmal Doppelspitze, immer Doppelspitze“.

Die geschwisterliche Doppelspitze kann in der folgenden Generation dazu führen, dass sich die neue Geschäftsführung jeweils aus den zwei Geschwister-Stämmen zu finden hat. Den Nachfolgern wird somit vorgegeben, dass sie sich die Geschäftsführung mit einem Vertreter aus dem anderen Familienstamm zu teilen haben. Und zwar unabhängig von ihren Persönlichkeitsstrukturen, und ihren Kompetenzen. Das kann zu Reiberein führen und die Unternehmensführung schwächen.

Und wenn es zu zweit nicht funktionieren sollte: Wer gibt schon gerne einmal erlangte Macht- und Führungsbefugnis zugunsten des anderen Familienstamms wieder ab?

Ein Beispiel hierfür ist die Stammes-Fehde der Hamburger Tierparkfamilie Hagenbeck. Der Tierparkgründer Carl Hagenbeck hatte seinerzeit eine Doppelspitze angeordnet. Nun, Generationen später, können sich die Geschäftsführer der jeweiligen Stämme nicht auf ein Miteinander verständigen – zu viele persönlichen Belange scheinen einer gemeinsamen Führung seit geraumer Zeit im Wege zu stehen. Den Familien ist ein interner Ausgleich zu wünschen. Erschwert wird dieses durch die starren Vorgaben des starren Doppelspitzenmodells.

Doppelspitze für den Familienfrieden?

Die Doppelspitze erweist sich als nicht geeignetes Modell, wenn sie ausschließlich dem Familienfrieden dienen soll und dabei die Eignung der Nachfolger außer Acht lässt. Das passiert vor allem dann, wenn die abgebende Generation keines ihrer Kinder bevorzugen will und daher beide Kinder gemeinsam in die Führung des Unternehmens einsetzen möchte. Aus familiärer Sicht erscheint dieses Handeln gerecht zu sein, denn die Nachkommen werden gleich behandelt. Doch im unternehmerischen Kontext zählt dieser Grundsatz nicht, da der unternehmerische Erfolg im Vordergrund steht. Dieser gebietet eine Regelung zugunsten klarer Entscheidungsbefugnisse. Die Wahl für die Doppelspitze, um den Familienfrieden zu wahren ist daher einer der häufigsten Fallstricke für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge.

Bei der Wahl des passenden Nachfolgemodells im Familienunternehmen muss den Familienmitgliedern klar sein, dass eine Doppelspitze zum Gelingen zeitaufwendige Abstimmungsprozesse erforderlich macht. Sind die Abstimmungsprozesse klar definiert, bietet die Doppelspitze die Möglichkeit eines ausgewogenen, sich ergänzenden Führungsstils. Sind sie jedoch nicht eindeutig festgelegt, kann es zu Pattsituationen bis hin zur Handlungsunfähigkeit eines Unternehmens kommen.

Es bleibt dabei: Die Wahl des passenden Nachfolgemodells ist eine für die Zukunftssicherung des Unternehmens elementare Entscheidung. Die Verlockung, bei diesem Entscheidungsprozess „eine Abkürzung“ zugunsten der kurzfristigen Familienharmonie zu wählen, ist groß. Diese Gefahr besteht insbesondere bei der Doppelspitze, auch wenn dieses Modell viele Vorteile mit sich bringt.  Widmen Sie Ihrem Nachfolgeprozess die Aufmerksamkeit, die es braucht, um ihr Unternehmen mit dem richtigen Führungsmodell sicher in die Zukunft zu führen und dabei den Familienfrieden zu wahren.

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