Bei meiner Beratung für die Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen erlebe ich bei meinen Kunden immer wieder, wie sensibel das Thema „Testament“ ist. Lieber scheint so mancher Gesellschafter einen Bogen darum machen zu wollen. Mal haben die Familiengesellschafter überhaupt noch kein eigenes Testament aufgesetzt. Mal herrscht die Überzeugung, dass mit den gesellschaftsvertraglichen Regelungen des Unternehmens allen diesbezüglichen Anforderungen genüge getan ist.

Das ist leider ein Irrtum.

Denn:

  • Das Familien- und Erbrecht als auch das Gesellschaftsrecht sind nur bedingt passend für die Frage der Unternehmensnachfolge.
  • Erbrecht und Gesellschaftsrecht sind nicht aufeinander abgestimmt: „Gesellschaftsrecht bricht Erbrecht“
  • Liegt kein Testament vor, gilt das gesetzliche Erbrecht.

Liegt kein Testament vor, gilt das gesetzliche Erbrecht

Das Gesetz sieht als Erbfolge die sogenannte Gesamthandsgemeinschaft als Erbengemeinschaft vor. Das heißt: Nicht ein Erbe erbt einen Stuhl und der andere einen Tisch, sondern Beide zu jeweils gleichem Anteil den Stuhl und den Tisch. Für die Gesellschaftsanteile des Erblassers bedeutet das: Der Anteil wird zu gleichen Anteilen an alle Erben vererbt. Wo vorher ein Gesellschafter Inhaber dieses Anteils war, sind es nun alle seine Erben gemeinsam, zum Beispiel die Kinder zusammen mit dem Ehegatten.

Das kann die sichere Unternehmensfortführung in der nächsten Generation als auch den Familienfrieden gefährden: Es kann zur Zerstückelung der Gesellschaftsanteile kommen und die Handlungsfähigkeit des Unternehmens beeinträchtigen. Ist nicht eindeutig zwischen allen Beteiligten kommuniziert, wer als Gesellschafter im Familienunternehmen in Frage kommt und wer nicht, kann das zu langwierigen finanziellen und emotionalen Auseinandersetzungen führen.

Erbrecht und Gesellschaftsrecht sind nicht aufeinander abgestimmt

Beide Punkte können zwar im Gesellschaftsvertrag im Sinne einer sicheren Unternehmensfortführung geregelt werden – zum Beispiel über die  sogenannte Stammeslösung ( nur 1 Stimme pro Familienstamm in der Gesellschafterversammlung). Doch was geschieht, wenn sich Gesellschaftsvertrag und Testament widersprechen und der Erblasser trotz gesellschaftsvertraglicher Vorgaben kein entsprechendes Testament aufgesetzt hat?

Grundsätzlich gehen die gesellschaftsvertraglichen Regelungen vor, sodass es dann im Zweifel eine Auseinandersetzung mit den nach dem Gesellschaftsvertrag zu Unrecht eingesetzten Anteils-Erben gibt. Auch hier sind Konflikte vorprogrammiert, welchen die Unternehmensfortführung als auch den Familienfrieden gefährden können.

Alles ist vertraglich regelbar

Mit dem Wissen um die unzulänglichen gesetzlichen Vorgaben ist das Aufsetzen eines Testaments unabdingbar. Hier kann geregelt werden, was für die Fortführung des Unternehmens essentiell ist.

Immer wieder bekomme ich als Rückmeldung, wie unangenehm es sei, dieses heikle Thema mit den Kindern oder dem Ehegatten zu besprechen, weil man sich evt. im Vorfeld um eine eindeutige Verteilung der Anteile verständigen müsse und es zu dem Gefühl der Benachteiligung bei den Angehörigen kommen könne.

Meine Antwort: Wenn SIE es nicht tun, wer soll es dann tun? Ohne Regelung verlagern sie Problematik auf die nächste Generation. Und seien Sie sich gewiss: Falls es alte Ressentiments zwischen den Familienmitgliedern gibt, dann tauchen Sie auch hier wieder auf. Durch Nicht-Regelung lassen sich diese Themen nicht vermeiden – sie sind eh da.

Mein Tipp: Suchen Sie das offene Gespräch mit allen Beteiligten. Alle Gesellschafter haben sich diesem Thema zu stellen. Suchen Sie die Lösung, die für die Fortführung des Unternehmens die Sicherste ist und suchen Sie das offene Gespräch mit Ihren potentiellen Erben, um ein Verständnis für die unternehmerischen Vorgaben zu wecken. Denn am Ende des Tages ist die erfolgreiche Unternehmensnachfolge und -fortführung im Interesse aller Gesellschafter.